Bilderatlas

Das Ausgangsbild ist eine Werbeanzeige der Stadt Köln. In dieser wird im Text vom Amt für Wirtschaftsförderung der Standort Köln in Hinblick auf seine kulturellen Angebote, seine Museumsdichte und als Handelsplatz für Kunst hervorgehoben. Das Bild zeigt drei Personen, die die zentrale Figurengruppe aus Edouard Manets Frühstück im Grünen nachstellen und am Rande des Heinrich-Böll-Platzes (und damit über der unterirdisch verbauten Philharmonie) vor dem Museum Ludwig und dem Dom im Hintergrund lagern.

Ausgangsbild klein
Quelle: Der Spiegel, Heft 31/1986; größere Abbildung (961 KiB)

 

Ziel der Beschäftigung mit dem Ausgangsbild ist es, exemplarisch die Vielschichtigkeit der Bezüge deutlich werden zu lassen, die das Ausgangsbild aufweist. Ausgehend von der Werbeanzeige, lässt sich diese verschiedensten Kontexten zuordnen, wobei die Funktion des Ausgangsbilds sich je nach Zugriffsebene wandelt. Mit anderen Worten: Das Ausgangsbild verweist auf verschiedenste Sinnebenen, die durch Bild oder Text der Werbeanzeige berührt werden und durch unterschiedliche Exkurse erschlossen werden können. Um allerdings nicht zu weit auszuholen und damit Gefahr zu laufen, den Ausgangspunkt unscharf werden zu lassen, sei das Bezugskonglometrat auf solche Ebenen beschränkt, die in der Kunst, genauer gesagt: im Schulfach Kunst potentiell Gegenstände der Beschäftigung sein können. Durch eine ausstellungsartige Hängung von Exponaten aus Malerei, Graphik, Architektur, Fotografie, Film und Werbung werden die Charakteristika, Gemeinsamkeiten und Unterschiede der drei Sachbereiche des Schulfachs Kunst (Bildende Kunst, Massenmedien, Gestaltete Umwelt) anschaulich dargestellt, wobei die Exponate zudem mit kurzen Infotexten verlinkt sind. Die Abbildungen lassen diese Themen teils in sehr enger Anlehnung an die Ausgangs-Werbeanzeige motivisch oder funktional deutlich werden, oder sie haben eine eher beispielhafte Funktion zur Andeutung von thematischen Exkursen.

Das Prinzip der bewussten Anordnung von Bildern zu inhaltlichen und didaktischen Zwecken hat übrigens schon der Kunsthistoriker Aby Warburg in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts für seinen Mnemosyne Bilderatlas (Kurzvideo) genutzt. Mittels ca. 2000 Bildern hoffte Warburg „anhand ikonographischer Reihen und sinnträchtiger Bildkonstellationen, die von einer knappen verdichteten Textspur begleitet werden sollten, […] in diesem ‚Atlas‘ das Bildgedächtnis der europäischen Kultur sowohl struktural als auch genetisch und zugleich in seinen wichtigsten Themen und Motiven zu rekonstruieren.“[1]Klappentext zu Aby Warburg: Der Bilderatlas Mnemosyne (= Gesammelte Schriften. Zweite Abteilung, Band II.1b), hrsg . v. Bredekamp u.a., Berlin 2000

 

Bilderatlas zu einer Werbeanzeige der Stadt Köln

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Komposition

Thema: Bildanalyse
Analyse der Werbeanzeige in Hinblick auf ihre künstlerische Gestaltung

Bevor man sich inhaltlichen Ebenen des Abgebildeten widmet, wird man sich für gewöhnlich mit der ästhetischen Struktur des Ausgangsbildes auseinandersetzen. Die Fragestellungen, die in diesem Kontext an das Bild herangetragen werden, können je nach dessen ästhetischer Struktur unterschiedlicher Art bzw. unterschiedlich gewichtet sein, doch im allgemeinen wird man die Kompositionsstruktur, die Modellierung durch Licht und Schatten, die benutzten Mittel zur Herstellung von Tiefenräumlichkeit und die Nutzung der Farben untersuchen. All diese Gestaltungsmittel folgen formulierbaren Gesetzmäßigkeiten und haben insofern eine (hier: vom Graphik-Designer bzw. dessen Autraggeber) im Voraus kalkulierbare Wirkung auf den Betrachter.
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Loyout

Thema: Schrift und Layout
Analyse der Werbeanzeige unter den Aspekten Schrift und Layout

Soweit das Bild im weitesten Sinne Text u.ä. enthält, empfiehlt sich eine genaue Analyse der Schriftart, der typographischen Gestaltung und vor allem des Layouts des Druckerzeugnisses, denn auch von diesen gestalterischen Mitteln geht eine bestimmte Wirkung auf den Betrachter aus.
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Thema: Mediale Ebene der Werbung: Plakat
Werbeplakat der Stadt Köln (Amt für Wirtschaftsförderung)
1986, 70 x 50 cm (Original in Farbe)

Die Variation der Ausgangs-Werbeanzeige in Form des Plakats lässt gut mediale und funktionale Unterschiede beider Formen der Printwerbung zum Ausdruck kommen.
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Manet

Thema: Zitat: Vor-Bild
Édouard Manet: Frühstück im Grünen
1863, Öl/Lw., 214 x 270 cm, Paris (Musée d’Orsay)
Literatur zum Bild selbst:
a) Manet at Work, Ausstellungskatalog, London 1983, S.22-25; b) Georfe H. Hamilton: Manet and his critics, New York 1969, S. 38-51; c) Rose-Marie u. Rainer Hagen: Bildbefragungen. Meisterwerke im Detail, Bd. 3, Köln (Taschen) 1997, S. 156-161
Literatur zur Wirkungsgeschichte des Bilds:
a) Jürgen Zänker: Edouard Manets „Dejeuner sur l’herbe“ in der modernen Kunst und Warenwerbung, in: Kritische Berichte, Heft 3/1980, S. 5 bis 31 (mittlerweile auch als PDF online verfügbar); b) Maria Otto: Das Frühstück im Grünen. Variationen und Paraphrasen, in: Kunst + Unterricht, Heft 118 (1987), S. 30f; c) einige aktuellere Hinweise enthält auch der unten genannte Wikipedia-Beitrag.
Web-Ressourcen:
a) Musée d’Orsay; b) Wikipedia

In der Werbeanzeige der Stadt Köln, unserem Ausgangsbild, wird die zentrale Figurengruppe aus Manets Frühstück im Grünen zitiert. Manets Werk stieß 1863 bei seiner ersten öffentlichen Ausstellung auf heftige Kritik: Das Publikum störte sich an Manets als zu modern empfundener (z.B. sehr kontrastreicher) Malweise, vor allem aber fühlte man sich durch die Nacktheit der Frauenfigur provoziert (die noch durch Pose, Blickkontakt zum Betrachter und den Kontrast zu den beiden fein gekleideten Männer gesteigert wird), denn Manet hatte darauf verzichtet, diese durch einen mythologischen oder allegorischen Kontext zu legitimieren. Heute gehört das Werk zu den bekanntesten Kunstwerken überhaupt und ist so populär, dass es in vielerlei Kontexten zitiert wird, um von dem Bekanntheitsgrad des Vorbilds zu profitieren: Einerseits von der positiven affektiven Haltung des Publikums zum Vorbild, besonders aber von dessen Eyecatcher-Funktion.
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Raimondi

 

raimondi

Thema: Zitat: Zitat-Geschichte
Marc-Antonio Raimondi (nach Raffael): Paris-Urteil (Ausschnitt)
um 1515/16, Radierung

Durch eine Radierung des Marc-Antonio Raimondi haben wir Kenntnis eines verloren gegangenen mythologischen Gemäldes von Raffael. Raffael stellte in diesem das Parisurteil dar, bei dem der junge Paris, Sohn eines trojanischen Königs, zu entscheiden hatte, wer von drei Göttinnen die schönste sei: Hera, Athene oder Aphrodite. In der unteren rechten Ecke des Bildes platzierte Raffael eine Dreiergruppe, die Manet, der einen Abzug der Radierung Raimondis kannte, zu einer Übernahme inspiriert hat. So wie Manets Frühstück im Grünen später in verschiedensten Kontexten zitiert, um nicht zu sagen: reproduziert wurde und wird, so bediente sich Manet seinerseits bei Raffael, indem er eine raffaelsche Bilderfindung, die durch Raimondi überliefert ist, übernahm. Raimondi selbst kopierte übrigens nicht nur im Einvernehmen mit Raffael dessen Werke, sondern fertigte auch unautorisierte Kopien von Dürerschen Werken an, deretwegen es zum ersten urheberrechtlichen Prozess der Kunstgeschichte in Venedig kam.
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Ländliches Konzert

Thema: Arkadien
Giorgione / Tizian: Ländliches Konzert
um 1510/11, ÖL/Lw., 101 x 138 cm, Paris (Louvre)

Das früher Giorgione, heute eher Tizian zugeschriebenene Gemälde – schon damals im Louvre hängend und von daher Manet bekannt – stellt eine weitere Quelle dar, die für die Entstehung des Frühstücks im Freien eine Rolle gespielt hat. Das Renaissance-Bild zeigt nicht nur wie Manet zwei bekleidete Männer und zwei unbekleidete Frauen, sondern auch das arkadische, elegische Moment, das in Giorgiones bzw. Tizians Gemälde mitschwingt, hat in gewisser Weise Eingang in Manets Bild gefunden.
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Thema: Aktmalerei
J.-A.-D. Ingres: Die Quelle
1856, Öl/Lw., 164 x 82 cm, Paris (Musée d’Orsay)
Webressource: Wikipedia

Manets Frauenakt im Frühstück im Freien ist auch im Kontext der Entwicklung der Aktmalerei ein wichtiges Bild, bricht er doch – wie schon oben aufgezeigt – mit den Konventionen der Darstellung weiblicher Nacktheit. Ingres seinerzeit im Louvre befindliches und vermutlich von Manet gekanntes Bild wurde erst 1856 vollendet, also sieben Jahre, bevor Manet sein Frühstück malte. Im Gegensatz zu Manet trug Ingres dem Zeitgeschmack Rechnung, indem er die nackte Frau als Quellnymphe darstellte und damit ein im weitesten Sinn mythologisches Thema wählte, bei dem weibliche Nacktheit akzeptiert wurde. Dass heute Nacktheit kaum noch zu provozieren vermag, sondern eher auf Belustigung oder Desinterresse stößt, zeigt das Verhalten der Personen im Hintergrund unseres Ausgangsbilds. Insofern verwundert nicht, dass die Gattung Akt heute kaum noch gepflegt wird und allenfalls noch Aktzeichnen im Rahmen der Künstlerausbildung eine Rolle spielt.
zuschauer
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Aby Warburg

Thema: Theorie des Zitats und Bilderatlas
Aby Warburg

Auf einer theoretischen Ebene bietet unser Ausgangsbild Anlass für verschiedene Diskurse. Gedanken über Sinn und Nutzen des Zitieren von Bildfragmenten, sei es in der Bildenden Kunst selbst, sei es in massenmedialen Wirklichkeiten wie die der Werbung, bieten sich ebenso an wie solche über die auch hier benutzte Methode des Bilderaltlas‘. Auf den Mnemosyne Bilderatlas des deutschen Kunstwissenschaftlers Aby Warburg (Abb. links), der durch Gruppieren verschiedener Bilder Bezüge zwischen diesen zum Ausdruck zu bringen gedachte, bin ich oben schon kurz eingegangen. Warburg (1866 – 1929) ist weiterhin bedeutsam für die Kunstwissenschaft durch das von ihm entwickelte Verfahren der Ikonographie, bei der Bildelemente auf ihren (symbolischen) Gehalt untersucht und für eine darauf aufbauende ikonologische Interpretation nutzbar zu machen versucht werden.

Lit.: a) Warburg, Aby: Der Bilderatlas Mnemosyne (= Gesammelte Schriften. Zweite Abteilung, Band II.1b), hrsg . v. Bredekamp u.a., Berlin 2000; b) Hofmann, Syamken, Warnke: Die Menschenrechte des Auges. Über Aby Warburg, Frankfurt/M. 1980; c) Ahrens, Sello: Nachbilder, Hannover 1979; d) Geese, Kimpel: Werbung im Rahmen der Kunst, Marburg 1982
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Kemper

Thema: Mensch und Natur heute
Willi Kemper: Frühstück im Freien (1975)

Das Zitat der Manetschen Personengruppe in der Ausgangswerbeanzeige wirft natürlich die Frage auf, wie es denn heute um das Verhältnis von Mensch und Natur bestellt ist. Willi Kemper beantwortet in seinem Bild, was vielleicht bewusst auch Frühstück im Freien[2]Der Titel des Manetschen Bildes lautet im französischen Original Déjeuner sur l’erbe und wird meist als Frühstück im Grünen ins Deutsche übertragen, doch mitunter findet sich auch die Übersetzung Frühstück im Freien – der Titel, den Kemper für sein Bild gewählt hat. benannt ist, die Frage eher negativ, aber vermutlich treffend. Und auch in der Ausgangsanzeige des Amts für Wirtschaftsförderung der Stadt Köln ist an Natur wenig zu sehen, wenn auch fraglich erscheint, ob die zunehmende Zerstörung der Natur mittels der Anzeige kritisiert werden sollte.
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LBS Anzeige

Thema: Manets Frühstück in der Printwerbung
Werbeanzeige der LBS
Quelle: (Fernsehzeitschrift) 1988 (ca. DIN A4)

Die Werbeanzeige der Landesbausparkasse steht exemplarisch für viele, viele Versuche, das Manetsche Bild für werbliche Zwecke dienstbar zu machen. Aufgrund ihres Bekanntheitsgrads eignen sich bedeutende Kunstwerke als Eyecatcher, die aufgrund ihres Wiedererkennungswerts nicht nur eine positive affektive Grundstimmung beim Rezipienten entstehen lassen, sondern vor allem das beworbene Produkt oder die beworbene Dienstleistung aus der Masse des Angebots herausheben. Nach Möglichkeit sollte eine solche Bezugnahme nicht nur vordergründig sein sondern auch inhaltlich zu dem zitierten Kunstwerk passen, damit der Betrachter nicht mit Unverständnis oder Verärgerung reagiert. Der LBS ist dies mit dieser Anzeige[3]Der kleingedruckte Text lautet: „… fürs geförderte Bausparen. Wer jetzt LBS-Bausparer wird, sichert sich neben den Prämien alle LBS-Vorteile und gewinnt Zeit und Geld. Schnell zur LBS oder Sparkasse. Bis zum …“ gerade nicht gelungen, denn bei Manet geht es ja gerade um das ruhige Verweilen an einem intimen Ort in intimer Situation und nicht um Aufgeregtheiten. In jedem Fall lassen sich an dieser wie anderen zitierenden Werbeanzeigen die Praxis des Bildzitats veranschaulichen und Strategien der Werbetreibenden offenlegen.
(Vgl. auch den schon oben angeführten Aufsatz von Jürgen Zänker)
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Thema: Mediale Ebene der Werbung: Werbespot
Werbespot der LBS
20 Sek., Ausstrahlung: ARD 24.9.1988

Die LBS hat ihr auf der Bezugnahme zum Manetschen Bild basierendes Werbekonzept nicht nur als Anzeige für die Printwerbung entwickeln lassen, sondern auch in einem im Werbeprogramm des öffentlich-rechtlichen Fernsehens ausgestrahlten Werbespot genutzt, so dass sich hier auch die Nutzung der gestalterischen Mittel des Films aufzeigen lässt.
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Amt

Thema: Städtewerbung des gleichen Auftraggebers
Werbeanzeige der Stadt Köln (Amt für Wirtschaftsförderung)
Quelle: Der Spiegel, H. 19/1988 (ca. DIN A3)

Eine weitere Printanzeige[4]Der kleingedruckte Text lautet: „Schon heute kommen die Leute von Audio und Video, von Druck und Papier, von Werbung und Public Relations, von Film und Foto, die Telekommunikation, die Hard- und Softwaremacher und wollen sehen, wo der Kölner MediaPark entstehen wird. 200.000 qm mitten in der Stadt (nicht etwa draussen auf der grünen Wiese!) werden freigeräumt, um Platz für dieses zukunftsweisende Projekt zu schaffen. Ein riesiger grüner Park und an seinen Wegen die Ateliers und Hallen und Werkstätten fürs Denken und Produzieren – das wird schon in naher Zukunft das Dorado der Kreativen sein: Der MediaPark Köln. Der MediaPark in der Medienstadt Köln wird sich auch im internationalen Vergleich als Spitzenangebot erweisen – für alle, die den Anschluss nicht verpassen wollen. Über die Anschlussmöglichkeiten informiert Sie auch direkt die Projektgruppe MediaPark. Dem hinzuzufügen wäre nur noch eine weitere motivierende Tatsache: Erfolg hat Tradition in Köln. Köln hat News für die Zukunft. Die sollten Sie kennen. Entdecken Sie dabei interessante Perspektiven für sich und Ihr Unternehmen. Mit uns sollten Sie reden, wenn es um Ihre Pläne geht. Schreiben Sie uns oder rufen Sie uns an.‘, ‚Stadt Köln – Amt für Wirtschaftsförderung (Adresse)“ des gleichen Auftraggebers, des Amts für Wirtschaftsförderung der Stadt Köln, ermöglicht einen Vergleich hinsichtlich der Werbestrategie und der hierzu eingesetzten Mittel.
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Messe

Thema: Signet
Werbeanzeige der KölnMesse
Quelle: Der Spiegel, H. 40/1989 (ca. DIN A3)

Das Signet oder Logo eines Betriebs oder einer Marke spielt in der Werbung eine wichtige Rolle, da es auf einer visuellen Ebene eine schnelle Verknüpfung mit dem Gemeinten herstellen soll. Angesichts des Symbolwerts, den der Kölner Dom für die Stadt Köln hat, verwundert es nicht, wenn verschiedenste Akteure den Dom in einer stilisierten Form als Signet nutzen. So wird etwa vom Amt für Wirtschaftsförderung der Stadt Köln in der Ausgangsanzeige (und farbig auch in der Anzeige zum Kölner MediaPark) ein Signet benutzt, das den Dom als nach hinten rechts gekipptes Linienobjekt zeigt. Anders verfährt im gezeigten Beispiel die KölnMesse, die durch eine grüne Linie die Silhouette des fest stehenden Doms nachfährt und das offenbar gewünschte dynamische Moment durch die Schrägstellung des ‚M’s zu erreichen versucht.
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Düsseldorf

Thema: Städtewerbung anderer Auftraggeber
Werbeanzeige der Stadt Düsseldorf (Amt für Werbe- und Wirtschaftsförderung)
Quelle: Der Spiegel, H. 24/1987 (ca. DIN A3)

Kommunen wetteifern um die Ansiedlung von Wirtschaftsunternehmen, deren Steuerabgaben den kommunalen Haushalten zugutekommen. Der Vergleich entsprechender Anzeigenkampagnen ist hier besonders interessant, handelt es sich doch bei Köln (Ausgangsanzeige) und Düsseldorf[5]Der kleingedruckte Text lautet: „Auf dieser Anzeige sehen Sie Anzeigen von einigen Werbeagenturen, die in Düsseldort texten und layouten. Das HB-Männchen, der Tchibo-Kaffee-Experte, der Weisse Riese, der Bären-Marke-Bär – all das haben sich Düsseldorfer Werbeagenturen ausgedacht. Auch die Anzeige, die Sie jetzt gerade lesen, ist von einer der über 200 Düsseldorfer Werbeagenturen. Düsseldorf ist die Werbestadt, die Kunststadt, die Einkaufsstadt, und – nicht zu vergessen – Düsseldorf hat die Altstadt. Was Düsseldorf für Ihr Unternehmen tun kann, sagt Ihnen gern das Werbe- und Wirtschaftsförderungsamt (Adresse). Düsseldorf, eine gute Adresse.“ nicht nur um zwei ohnehin in Konkurrenz stehende Städte, sondern zielen auch beide hier dokumentierte Anzeigen auf das künstlerisch-kreative Moment ab.
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Dom

Thema: Architektur: (Neo-)Gotik, Sakralbau
Kölner Dom
Westfassade, primär 1842-1880

Das Ausgangsbild zeigt im Hintergrund den Kölner Dom, ein Werk der Neo-Gotik, das nicht nur gotische Kirchenarchitektur erfahrbar werden lässt und – wie gezeigt – in höchstem Maße signetwürdig ist, sondern auch die Frage aufwirft, weshalb zur Zeit des Industrialisierung im 19. Jahrhundert eine (architektonische) Rückbesinnung auf das Hochmittelalter stattzufinden vermochte.
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Museum Ludwig

Thema: Architektur: Museumsbau
Museum Ludwig
Peter Busmann / Godfrid Haberer: Museum Ludwig
1977-1986

Neben dem Dom ist in unserer Ausgangsanzeige als wichtiges architektonisches Monument das Museum Ludwig abgebildet, das stilgeschichtlich untersucht werden könnte, aber auch in Hinblick auf seine museale Funktion befragt und ggf. auch mit anderen Museumsbauten verglichen werden könnte.
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Zink

Thema: Baumaterialien
Werbeanzeige der Zinkberatung
Quelle: Der Spiegel, H. 25/1988 (ca. DIN A4)

Zum Bauen von Architektur bedarf es Baumaterial, das ästhetisch schön, aber auch wirtschaftlich und vor allem dem Zweck angemessen sein sollte. Dass es hierüber verschiedene Ansichten gibt, ist natürlich und wird hier durch eine Anzeige[6]Der kleingedruckte Text lautet: „Zu den vielen schönen Dingen, die man in Köln bewundern kann, gehört das neue Wallraf-Richartz-Museum (bis 2001 befand sich im heute nur noch vom Museum Ludwig genutzten Bau auch das Wallraf-Richartz-Museum – R.J.]. Eine Sehenswürdigkeit, von innen sowieso, aber auch von außen, denn sein Dach ist aus Zink. Das sieht nicht nur gut aus – es bietet, weil es nicht verrosten kann, dauerhaften Schutz für Schätze, deren Wert die Zeit überdauern sollen. Mit Zink kann man gut leben. Wenn Sie mehr über Zink wissen möchten, schreiben Sie an ZINKBERATUNG (Adresse)“ der Zink-Produzenten belegt.
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Stadtplanung

Thema: Stadtplanung
Museumskomplex mit Rheinterrassen und Dom

Das Ausgangsbild gibt schließlich auch Anlass, sich mit stadtplanerischen Fragestellungen zu beschäftigen, die sich im Schnittpunkt von Hauptbahnhof, Dom, Museum Ludwig und dem davor befindlichen Heinrich-Böll-Platz (von Dani Karavan, 1982-1986), auf dem die Manet nachempfundene Figurengruppe lagert, stellen. Hier sei nicht nur die Frage nach der Sicherheit von Kunstgegenständen angesichts häufiger über die Ufer tretender Flüsse (der Louvre hat Millionen in den Hochwasserschutz seiner Bestände investieren müssen…) aufgeworfen, sondern auch bspw. die Frage nach den Grenzen deutscher Ingenieurs- und Planungskunst, wenn man sich vergegenwärtigt, dass der Heinrich-Böll-Platz, unter dem die Philharmonie residiert, mangels Schallschutz des roten Pflasters bei Konzerten gesperrt werden muss, um Beeinträchtigungen der Akustik im Konzertsaal zu vermeiden.
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Nachbemerkung: Das Aufzeigen und Nachspüren vielfältigster Bezüge, in denen unser Ausgangsbild verwoben ist, bedeutet nicht, dass die Summe der dabei erhaltenen Antworten gleichbedeutend mit der „richtigen“ Interpretation des Ausgangsbildes ist. Wahrscheinlich helfen die gewonnenen Erkenntnisse bei der Interpretation, doch die Interpretation ist sicherlich stärker zielgerichtet, während es mir hier eher um das Aufzeigen von Kontexten geht, die mit dem Ausgangsbild verbunden sind (und thematisch potentiell „kunstunterrichtswürdig“ sind).