Checkliste zur Analyse von Typographie

Checkliste zur Analyse von Typographie

 

Will man Druckerzeugnisse analysieren, so hilft u.U. eine „Checkliste“, die verhindern soll, wesentliche Gestaltungsmerkmale und Beurteilungskriterien zu übersehen. Nachstehende Checkliste zur Analyse von Typographie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, hat sich aber in der Praxis bewährt. Die benutzten Fachbegriffe kann man ggf. auf typo-info.de nachschlagen.

Typographie = Die künstlerische Gestaltung eines Druckwerks, wobei die Wahl von Type, Schriftgrad, des Satzspiegels und sein Stand auf der Seite u.v.m. eine Rolle spielen

 

ANALYSE SCHRIFT

  • Schriftgruppe (z.B. hier: Venezianische Renaissance-Antiqua)
  • Schriftfamilie (z.B. hier: Rosarivo)
  • Schriftschnitt (z.B. hier: normal und nicht z.B. kursiv)
  • Schriftgrad
  • Grundmerkmale:
    • Serifen ↔ serifenlos
    • Wechselstrich ↔ linear
    • Strichstärke
    • proportional ↔ dicktengleich
    • Formanteile (z.B. rund ↔ eckig)
    • Achsstellung von Einzelbuchstaben (z.B. beim ‚O‘)
    • sonstige charakteristische Zeichenkomponenten
  • Ziermerkmale (z.B. Initiale, Outline, schattiert, Kapitälchenschrift)

 

ANALYSE KOMPOSITION

Komposition = hier v.a. Suche nach Verhältnissen, u.z. beim Einzelbuchstaben, bei der Schrift, beim Satzspiegel und der Seite

  • Buchstabenproportion (Verhältnis von Breite zu Höhe, z.B. breit ↔ schmal)
  • Verhältnis der verschiedenen Längen (Bänder) einer Schrift
  • optischer Ausgleich
  • individuelles, auf Buchstabenpaare bezogenes Unterschneiden
  • globales, auf Worte bezogenes Sperren und Unterscheiden
  • Buchstabenabstand (Laufweite)
  • Wortabstand
  • Zeilenabstand (Durchschuss)
  • Satzausrichtung (z.B. Blocksatz, Flattersatz)
  • Anordnung einzelner Texteinheiten innerhalb des Satzspiegels
  • Satzspiegel: Proportion (B:H) und Konstruktion
  • Proportion der Stege (Bundsteg = 2)
  • Proportion des Seitenformats (B:H)
  • Verhältnis von bedruckter (Satzspiegel und anderes) zu unbedruckter Fläche der Seite
  • Verhältnis von Proportion des Satzspiegels und Proportion der Seite
  • Verhältnis von Abbildungen und Text

 

SEMANTISCHE ANALYSE

  • Konnotate zu einzelnen Gestaltungsmerkmalen

 

INTERPRETATION

  • Ist der Text gut lesbar und ästhetisch ansprechend?
  • Gelingt es, Spannungsverhältnisse so zu entwickeln, dass sie in ihrer Gesamtheit den Eindruck von Harmonie erwecken?
  • Was soll über die ikonischen und sprachlichen Denotate hinausgehend dem Rezipienten durch die verwendete Schrift, die Komposition, die „Bilder“, d.h. durch die typographische Gestaltung insgesamt vermittelt werden?
  • Welche konkreten Mittel werden dabei zu welchem Zweck und mit welchem Erfolg eingesetzt?
  • Ist das Gestaltungskonzept dem Gestaltungsanlass angemessen? Kann die Zielgruppe mit diesem Konzept erreicht werden?
  • Welche typographischen Fehler (z.B. mangelnde Registerhaltigkeit, Hurenkinder, Schusterjungen) wurden begangen – was hat der Gestalter gut gelöst?