Checkliste zur Filmrezeption

checkliste zur filmrezeption

Rahmenbedingungen

Damit man bei der Beschäftigung mit einem Film möglichst nichts übersieht, diese Checkliste zur Filmrezeption.
Eine systematische Filmanalyse hat zur Aufgabe, das eigene subjektiv-sinnliche Filmerlebnis durch analysierende Untersuchung des Filmes selbst schrittweise zu objektivieren, um so eine umfassende Interpretation zu ermöglichen. Hierzu bedarf es der Erhebung und Darstellung mit empirischen, quantifizierbaren Verfahren erhebbarer Daten.
Das Bemühen, mit einer „Checkliste zur Filmrezeption“ ein „allgemeingültiges“ Rezeptionsschema ohne Bezug zu einem konkreten Film zu erstellen, bedingt zum einen zwangsläufig den Verzicht auf Fragestellungen, die sich aus dem spezifischen Erkenntnisinteresse an einem konkreten Film ergeben, und erfordert zum anderen eine möglichst umfassende Darstellung rezeptionsrelevanter Aspekte, die hier schematisch aufgeführt werden. In der Praxis werden auf den jeweiligen Film bezogene Frageinteressen die Rezeption bestimmen.
Die hier in Versalien wiedergegebenen Begriffe verweisen auf entsprechende weiterführende Erläuterungen im 10-seitigen Skript.[1]Aufgrund fehlender Veröffentlichungsrechte (Copyright) für einzelne Abbildungen im Skript kann ich dieses hier leider nicht veröffentlichen. Viele Hinweise auf die durch die Schlagworte angerissenen Problemstellungen finden sich jedoch in Manfred Rüsels Reader zur Film- und Fernsehanalyse.

 

0. Formale und technische Daten

Regisseur, Titel, Entstehungsland, Jahr, Produzent, Drehbuch, Kamera, Schnitt, Darsteller, Verleih, Kinefilm/Magnetband/Digitalfilm, Aufnahmeformat/Magnetbandbreite, Länge (m/t) etc.

 

1. Filmbetrachtung und Problematisierung

Die nach der ersten Filmbetrachtung genannten spontanen Eindrücke ermöglichen die Formulierung vorläufiger Arbeitshypothesen und Fragestellungen für die weitere Untersuchung.

 

2. Bestandsaufnahme

  • FILMPROTOKOLL
  • STORYBOARD
  • Inhaltsangabe (Kurzdarstellung des Handlungsverlaufs)

 

3. Analyse

  • HANDLUNGSMOMENTE
  • ERZÄHLSTRUKTUR
    • HANDLUNGSSTRUKTUR
    • ZEITSTRUKTUR
    • ORTSSTRUKTUR
  • FILMEINHEITEN
    • (SUB-)SEQUENZeinteilung oder SEGMENTierung
    • SEQUENZPROTOKOLL
    • SEQUENZGRAFIK
  • Filmspezifische Gestaltungsmittel
    • EINSTELLUNGSGRÖSSEN, EINSTELLUNGSGRAFIK, EINSTELLUNGSPROFIL
    • KAMERAPERSPEKTIVEN
    • TECHNISCHE KAMERABLICKWINKEL
    • KAMERABEWEGUNGEN
    • KAMERAACHSE – HANDLUNGSACHSE
    • KAMERASTANDPUNKTE
    • SCHNITTFREQUENZ, SCHNITTFREQUENZGRAFIK
    • SCHNITTFORMEN
    • MONTAGEFORMEN
  • sonstige Gestaltungsmittel
    • Toneinsatz
    • RAUM und PERSPEKTIVE
    • KOMPOSITION
    • BELEUCHTUNG
    • FARBE
    • SCHAUSPIELERVERHALTEN

Der Umfang der Erfassung der verschiedenen Gestaltungsmittel hängt vom jeweiligen Frageinteresse ab; die Untersuchung kann sich so z.B. auf den gesamten Film oder auch auf einzelne FILMEINHEITEN erstrecken, was auch unterschiedliche Darstellungsformen (Protokoll, Grafik, Text etc.) sinnvoll erscheinen lässt.

 

4. Interpretation

  • Interpretationen auf der Basis der Analyse
    Hier sind die Ergebnisse der Analyse qualitativ zu nutzen. Zentrale Leitfrage ist dabei die nach dem Zusammenhang von Form und Inhalt:

    • Welche Stilmittel werden mit welcher Absicht wie eingesetzt?
    • Welche Funktionen besitzen die benutzten Gestaltungsmittel für die Aussage des Films?

    Im Idealfall sollten alle durch Analyse festgestellten Merkmale interpretatorisch zu deuten versucht werden. Insbesondere aber sollten – neben der Verifizierung bzw. Falsifizierung der unter Ziffer 1. aufgestellten Arbeitshypothesen – folgende Fragestellungen berücksichtigt werden:

    • Aus welchen Überlegungen heraus wird zur Präsentation des Inhalts, besonders der HANDLUNGSMOMENTE, eine spezifische ERZÄHLSTRUKTUR benutzt?
    • Welcher Stellenwert ist einzelnen EINSTELLUNGEN in der gesamten Einstellungsfolge beizumessen und worin besteht ihre Funktion für die Gesamtaussage?
    • Durch welche inhaltliche und formale Präsentation erfahren die Protagonisten welche Charakterisierung?
    • Wie funktioniert die INFORMATIONSLENKUNG des Zuschauers?
    • Wie wird der Rezipient auf Bedeutsames aufmerksam gemacht?
    • Welche Angebote zur IDENTIFIKATION erhält der Filmbetrachter?
    • Durch welche inhaltlichen und formalen (-> FORMALSPANNUNG) Mittel wird im Film bzw. beim Zuschauer Spannung erzeugt?
  • Interpretation unter Einbezug der KONTEXTFAKTOREN
    Zur umfassenderen Interpretation muss der Kontext des Film aufgearbeitet werden:

    • BEZUGSREALITÄT
    • BEDINGUNGSREALITÄT
    • WIRKUNGSREALITÄT