Computer im Kunstunterricht

Text

Nutzungsmöglichkeiten des Computers im Kunstunterricht

 

Überlegungen zu Nutzungsmöglichkeiten des Computers im Kunstunterricht

 


Dieser Text wurde zuerst publiziert im Jahrbuch 2001 des Herbartgymnasiums Oldenburg (Oldenburg Dez. 2001, Selbstverlag, S. 60-69)


 

„Computer“, „Multimedia“, „Internet“ in aller Bildungspolitiker-Munde, „Medienkompetenz“ als neues Mega-Lernziel, doch: was soll Schule – und hier insbesondere der Kunstunterricht – in diesem diffusen Spannungsfeld eigentlich leisten und wodurch sind solche Ansprüche legitimiert, welche Möglichkeiten bietet potentiell der Computer im Kunstunterricht und wie steht es um die Chancen, solche potentiellen Möglichkeiten im Unterricht tatsächlich zu nutzen?

Fragen über Fragen. Fängt man als kleiner Provinzlehrer zunächst ebenso klein an mit dem Versuch, sich darüber zu informieren, was denn „die Behörde“ dazu vorgibt, so stellt man schnell ernüchtert fest: „His Master’s Voice“ ist nicht vernehmbar. Meine schüchternen Versuche, dem Niedersächsischen Kultusministerium bzw. dem „Niedersächsisches Landesinstitut für Fortbildung und Weiterbildung im Schulwesen und Medienpädagogik (NLI)“ online Handlungsvorgaben inklusive Begründung zu entlocken, schlugen insofern fehlt, als man online kaum erreichbar ist:

  • das Kultusministerium schreibt in seiner Internetadresse (http://www.niedersachsen.de/MK1.htm)[1]Jedenfalls in dem Link, der vom NLI auf das Kultusministerium verweist [http://nibis.ni.schule.de/aktuell/mk/aktuell/index.htm]; letzter Zugriff: 24.09.01 zwar selbstbewusst das MK in Versalien, doch wiederholtes Ansteuern dieser Adresse während einer einwöchigen Phase der Vorbereitung dieses Artikels hatte noch nicht einmal die Ansicht eines der im Internet häufigen „Baustellen“-Schilder zur Folge – der Server war schlicht und einfach down;
  • beim NLI wurde – während des gleichen Untersuchungs-Zeitraums – immerhin die Startseite[2]Letzter Zugriff: 22.09.01 angezeigt, doch von zehn Menü-Punkten funktionierten nur drei, unter denen leider nicht die Suchfunktion war, mittels derer ich eigentlich die Site mit dem Stichwort „Medienkompetenz“ durchsuchen wollte.

Diese Begebenheit wäre vielleicht lustig, wenn sie nicht m.E. zugleich symptomatisch wäre: Jenseits der in der letzten Zeit zur Schau gestellten Computer- und Internet-Euphorie der Politiker liegt ein großes Jammertal. Welche topographischen Höhen und vor allem Senken dieses Tal besitzt, werde ich am Ende dieses Artikels noch einmal aufgreifen, doch …

… zunächst bleiben wir bei der Medienkompetenz. Hierzu findet man – gewissermaßen jenseits der virtuellen Landesgrenzen – beim Landesinstitut für Schule und Weiterbildung in Soest immerhin eine Seite zum Thema „Sechs Bereiche medienpädagogischer Kompetenz“[3]Letzter Zugriff: 22.09.01, auf der entsprechende Kompetenzbereiche sogar durch Beispiele veranschaulicht werden, die andererseits jedoch eine fächerspezifische Differenzierung vermissen lässt. Den Versuch einer kunstpädagogischen Präzisierung von sieben unterschiedlichen Kompetenzbereichen unternehmen hingegen Kirschenmann / Peez[4]Johannes Kirschenmann, Georg Peez: Kunstpädagogik mit der Maus?, in: Dies. [Hrsg.]: Chancen und Grenzen der Neuen Medien im Kunstunterricht, Hannover (Bund-Deutscher-Kunsterzieher-Verlag) 1998, S. 5-11, die darlegen, wie Wahrnehmungskompetenz, Selektive Kompetenz, Evaluative Kompetenz, Soziale Kompetenz, Instrumentelle Kompetenz, Kreative Kompetenz und Didaktische Kompetenz im Rahmen einer den Neuen Medien geöffneten Kunstpädagogik eingelöst werden könnten. Ich werde an dieser Stelle nicht den Versuch unternehmen, den dort am Beispiel der Neuen Medien im Allgemeinen vorgenommenen Denkansatz nun auf die Nutzungsmöglichkeiten des Computers im Kunstunterricht im Besonderen zu konkretisieren, doch dem mehr pädagogisch-didaktisch interessierten Leser mögen die vorstehend genannten Kompetenzbereiche gewissermaßen als Folie dienen, hinter der eine konkrete unterrichtliche Nutzung des Computers sich zu legitimieren hätte.

Doch bevor es „konkret“ wird, erlaube ich mir einen überlegenswerten Denkansatz von Torsten Meyer[5]Torsten Meyer: Jenseits der nun digitalen Overheadfolien [http://kunst.erzwiss.uni-hamburg.de/Texte/meyer/jenseits.html]; Letzter Zugriff:18.09.01 zu zitieren, der folgendes im Rahmen der Diskussion um Medienkompetenz zu bedenken gibt:
„Allerdings beschränkt sich das der Forderung nach einem Mehr an ‚Medienkompetenz‘ zugrundeliegende Verständnis von ‚Medienkompetenz‘ meist auf eine Qualifikation, die „für nahezu alle denkbaren Berufsfelder“ als basal angesehen wird. Es taucht damit nicht nur eine Diskrepanz zwischen den unterschiedlichen Vorstellungen davon auf, was denn unter einem kompetenten Umgang mit Computermedien zu verstehen sei, sondern – nur wenig interpoliert – auch davon, was denn der Sinn der Schule sei: Die einen fordern Bildung, die anderen Ausbildung. Ganz im Sinne dieser Unterscheidung muß also gefragt werden, was unter dieser ‚Medienkompetenz’verstanden werden soll, die die Schule hervorzubringen beauftragt ist: Soll es darum gehen, die als zukünftig wesentlich erachteten Technologien zu beherrschen, damit ein effektiver Arbeits- und Produktionsprozeß gewährleistet ist, oder kann und soll es in der Schule weiterhin um solche Ziele gehen, die an der aufklärenden Tradition der vergangenen drei bis fünf Jahrhunderte orientiert sind?“[6]Das Zitat betrifft nicht nur die hier geführte Diskussion auf einer inhaltlichen Ebene, sondern die Zitierweise reflektiert gewissermaßen auch von der Form her das Medium Computer, da im Zeichen von „Copy and Paste“ eine Stilwandlung zu beobachten ist: die Zitate werden immer länger und die Texte mutieren mitunter zu Textcollagen.

Die in der Überlegung Meyers deutlich werdende Frage nach dem Sinn pädagogischer Bemühungen bzw. der damit verbundenen Zielorientierung von Schule ist als solche natürlich legitim, ja notwendig im Sinne einer Selbstreflektion: Es kann nicht darum gehen, im Rahmen des Qualifizierungsprozesses der Arbeitskraft diese gewissermaßen einem Veredelungsprozess („fit am Computer“) zu unterwerfen, denn Erziehung darf nicht nur auf den Erwerb formaler Qualifikationen ausgerichtet sein, sondern hat sich auch und vor allem an inhaltlichen Werten zu orientieren. Andererseits aber suggeriert das Zitat eine scheinbare Alternative (Beherrschung Neuer Technologien oder wertgebundene Erziehungsziele), die so keine ist: Meine erste These wäre somit die, dass der unterrichtliche Umgang mit dem Computer sich zu legitimieren hätte auch auf der Folie wertgebundener bildungspolitischer Zielsetzungen. Der Computer ist ein Medium, nicht der Inhalt selbst. Diese Absage an eine allein am Medium Computer orientierte Nutzung des Computers im Rahmen von Schule halte ich insofern für besonders wichtig, als gerade den Neuen Medien eine immanente Dynamik zueigen ist, bei der aufgrund der vielfältigen technischen Möglichkeiten der Versuch, diese auszureizen, leicht zum Selbstläufer werden kann.

Halten wir hier zunächst fest: Die Nutzung des Computers im Kunstunterricht hätte Schülern den Erwerb – einer genauer zu differenzierenden – Medienkompetenz zu gestatten, die ihrerseits nicht nur durch die technischen Möglichkeiten des Mediums determiniert sein darf, sondern durch bildungspolitisch definierte Erziehungsziele legitimiert sein muss.

Im folgenden werde ich den Versuch unternehmen aufzuzeigen, inwieweit sich auf dem Hintergrund dieser Prämisse potentielle Einsatzmöglichkeiten von Computern im Kunstunterricht ergeben, und werde anschließend im Sinne einer Bestandsaufnahme kurz den Status quo zu skizzieren und Wünschbares zu formulieren versuchen.

Doch zunächst wäre zu klären, was mit dem Terminus „Einsatz des Computers im Kunstunterricht“ gemeint ist. Ich verstehe darunter die Gesamtheit der mittels des Computers erschließbaren Anwendungen, die in irgendeiner Weise im Kunstunterricht sinnvoll einsetzbar sind. Aufgrund der durch Rezeption und Produktion gegebenen traditionellen Doppelstruktur des Faches werde ich mich bzgl. der Gliederung des Texts nachstehend an dieser orientieren.

Einen wichtigen Einsatzbereich stellen im Bereich der Produktion Graphikprogramme dar. Diese können unterschieden werden in sogenannte Mal-Programme und Bildbearbeitungsprogramme. Um zunächst mit den Mal-Programmen zu beginnen: Bei entsprechender Softwareausstattung können mit diesen mittels der Maus Bilder erstellt werden. Noch komfortabler geht dies mit einem Graphiktablett, wobei das Zeichnen mit einem speziellen Stift auf einer sensitiven Fläche in eine digitale Graphik umgesetzt wird. Dies hört sich recht simpel an, doch die von den entsprechenden Programmen bereitgestellten Features beherbergen eine Fülle unterschiedlicher Möglichkeiten. Nicht nur können die Art des verwendeten Pinsels und die Bildträgerstruktur differenziert ausgewählt werden, sondern auch Malstile der Kunstgeschichte sind auf Knopfdruck abrufbar, so dass traditionell nur mit großem handwerklichen Können und vor allem Aufwand erstellbare Bilder à la Monet, Gogh etc. schnell fertig sind.

Persönlich habe ich jedoch drei Vorbehalte gegenüber solchen Programmen. Zum einen hat ein sinnvoller Einsatz solcher Programme sicherlich eine bildnerische Ausbildung zur Voraussetzung, die nicht am Computer gelernt werden kann. Zudem stellt sich die Frage, welchen Sinn es machen soll, mittels Computer künstlerische Techniken wie Pastell, Gouache, Öl etc. zu imitieren (!),die als originäre Techniken in ihrer Gesamtheit ohnehin nicht im ständig von Kürzungen bedrohten Kunstunterricht vermittelt werden können, und des weiteren erscheinen Aufgaben wie „Heute malen wir wie van Gogh!“ ohnehin obsolet.

Andererseits ist zu konstatieren, dass solche Programme (aber auch andere Computersoftware) medial zahlreiche Vorteile besitzen. Zwar verwehren sie die sinnliche Erfahrung im Umgang mit den Materialien, doch besitzt dies auch positive Aspekte: man ist bspw. nicht mehr dem Geruch von Lösungsmitteln ausgesetzt und auch das lästige Säubern der Arbeitsmaterialien (und des Kunstraums!) erübrigen sich. Noch entscheidender scheint jedoch ein zweiter Vorteil zu sein: der der Reversibilität. Durch die Undo-Funktion oder das Speichern unterschiedlicher Entwicklungsstadien lassen sich Prozesse und damit Fehler rückgängig machen. Man kann also an einer bestimmten Stelle noch einmal neu ansetzen, ohne ständig von der Angst durchdrungen zu sein, der nächste Pinselstrich könnte so falsch gesetzt sein, dass das ganze Werk irreversibel „verhauen“ ist. Dies ermutigt Schüler zu kreativem Ausprobieren alternativer Varianten, was mit klassischen Produktionsmethoden unmöglich ist. Ein weiterer – ebenso für andere Computer-Anwendungsbereiche geltender – Vorteil ist schließlich die Schnelligkeit, mit der Gestaltungsintentionen in Ergebnisse umgesetzt werden können. Oftmals genügt die Eingabe einiger Parameter, und schon entsteht etwas, für das sonst die gesamte Kunststunde benötigt worden wäre.[7]Dehne hat einen differenzierten Vergleich zum Thema ‚Computer – klassische Maltechnik‘ erstellt, auf den ich hier verweisen möchte: Bernd Dehne: Computer im Kunstunterricht – Didaktisches Konzept [http://www.oberschulamt-stuttgart.de/gym/bk/didaktik.html]; Letzter Zugriff: 25.09.01

Genannte Vorteile besitzen auch die schon oben erwähnten Bildbearbeitungsprogramme. Diese bieten zwar auch die Möglichkeit der Bilderstellung, haben Ihre Stärken jedoch im Bereich der Weiterverarbeitung bereits existenter Bilder. So kann man auf Knopfdruck Farben, Helligkeitswerte und Kontraste korrigieren und verändern, Farbverläufe modifizieren, Farbauszüge erstellen, Tontrennungen und Solarisationen herstellen, Bildelemente verschieben, neu anordnen, verfremden, montieren usw. usf. Besonders im Bereich der Effekte sind mit entsprechenden Filtern nahezu unendliche Möglichkeiten der Bildbearbeitung gegeben. Auch der Zugang zu weiterzuverarbeitendem Bildmaterial ist problemlos: eigene Arbeiten oder in reproduzierter Form vorliegendes (gedrucktes) Bildmaterial kann mit dem Scanner eingelesen werden oder man benutzt mit der Digitalkamera selbst erstellte Fotos. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass Bildbearbeitungsprogramme sich im Kunstunterricht – sofern der Computer überhaupt Einzug erhalten hat – großer Beliebtheit erfreuen.

Im Bereich des Graphics Designs spielt neben der Bildbearbeitung auch das Layout eine herausragende Rolle. Auch hierzu gibt es geeignete Software, mittels derer das Gestalten in der Fläche geübt werden kann. Hier wird jedoch auch andererseits ein durch den Computer gegebenes Gefahrenmoment deutlich: die massenhafte Verfügbarkeit von Schriftarten und Bildern (insbesondere von sogenannten Clip-Art-Bildchen, die auf jedem Homecomputer mit dem Betriebssystem oder der Textverarbeitung mitinstalliert werden) hat bei vielen Layoutgestaltungsversuchen ein kunterbuntes, heterogenes, stilpluralistisches Gewusel zur Folge, das die Augen schmerzen macht und verdeutlicht, dass allein die mediale Verfügbarkeit nicht notwendigerweise ein künstlerisch befriedigendes Gestaltungsergebnis zur Folge hat. Kunstunterricht mit dem Computer ersetzt also nicht ästhetische Erziehung, sondern hat vielmehr ein entsprechendes Wissen und ein darauf basierendes Urteilsvermögen zur Voraussetzung.

Anwendungsmöglichkeiten des Computers bestehen nicht nur in den bereits genannten Bereichen, sondern auch in anderen im Kunstunterricht gängigen Themengebieten kann man mittels des Computers zu überzeugenden Gestaltungsergebnissen kommen. Dem Bereich der Bildproduktion verwandt ist der der Filmbearbeitung. Entsprechende Software erlaubt nicht nur die Bearbeitung herkömmlich (analog) erstellter Filmsequenzen, sondern hat ihre Stärke natürlich besonders im Bereich digitaler Aufnahmen. In diesem Kontext sind auch Animationen und Multimedia-Anwendungen zu nennen, wobei letztere – als logische Fortschreibung dieses Trends – schließlich nur mittels Computer realisierbar sind und kein Pendant im Bereich traditioneller Produktion haben.

Schlagwortartig seien einige weitere Bereiche genannt, in denen im Kunstunterricht der Computer als Mittel der künstlerischen Produktion nützlich sein kann. So lassen sich im Bereich des Produktdesigns CAD-Programme einsetzen, mit deren Hilfe dreidimensionale Objekte erstellt werden können. Der Nachteil dieser Programme ist jedoch, dass schon die Gestaltung von einfachen Gebrauchsgegenständen für die Hardware komplexe Rechenaufgaben zur Folge hat, wofür schnelle Rechner mit ausreichendem Arbeitsspeicher benötigt werden. Ähnliches gilt für den Bereich der Architekturprogramme. Mit diesen lassen sich – gut einsetzbar im Rahmen des in der 10. Klasse vorgeschrieben Themas ‚Architektur‘ – dreidimensionale Gebäude konstruieren und sogar mit (allerdings vorgefertigten) Objekten einrichten.

Für andere Bereiche der im Kunstunterricht relevanten Produktion ließen sich weitere Programme einsetzen, doch stößt dies andererseits auch auf Grenzen, wie ich an einem Beispiel verdeutlichen möchte: Statt im Rahmen des Themas ‚Landschaftsgestaltung‘ zu entwerfende Park- und Gartenanlagen nur „traditionell“ durch Anfertigung eines Grundrisses und einiger gemalter (statischer) Ansichten visualisieren zu lassen, wäre es im Zeitalter von Multimedia naheliegend, mit einer Software großflächige Räume zu konstruieren und mit einer entsprechenden Vegetation und architektonischen Elementen auszustatten. Von einem beliebig zu definierenden Standort innerhalb des Terrains wäre dann eine entsprechende Ansicht des von diesem Standort Sehbaren abrufbar, virtuelle Gänge durch das Gelände könnten eine differenzierte Wahrnehmung des Gestalteten erlauben. Damit wäre sogar eine im Vergleich mit traditionellen Produktionsmethoden sinnlichere Wahrnehmung ermöglicht – Computer bedeutet also nicht zwangsläufig Entsinnlichung. Eine Software, die dies leistet, ist jedoch leider für den unterrichtlichen Einsatz nicht verfügbar: entweder sind entsprechende Programme für den sogenannten Home-User-Bereich konzipiert und damit zu einfach in ihren Möglichkeiten oder aber es handelt sich um für professionelle Landschaftsarchitekten konzipierte Software, die aufgrund der vielfältigen Programmmöglichkeiten Einarbeitungszeiten erfordert, die weit über das Kunststundenkontingent hinausgehen. Das Beispiel ist symptomatisch für die Software-Situation: Da es kaum explizit auf schulische Bedürfnisse zugeschnittene Software gibt, ist man gezwungen auf Standardsoftware zurückzugreifen, die in der gewünschten Dimensionierung (akzeptable Ausstattungsmerkmale bei möglichst geringem Aufwand zum Erlernen des Umgangs mit der Software) nur dann auf dem Markt vorhanden ist, wenn eine entsprechende Nachfrage existiert, weshalb man oft auf unbefriedigende Kompromisse angewiesen ist, wobei der Zwang zum Kompromiss noch durch die Verfügbarkeit finanzieller Ressourcen (s.u.) gesteigert wird.

Wurden bislang Möglichkeiten vorgestellt, bei denen der Computer im Rahmen ästhetischer Produktion zum Einsatz kommen könnte, so geht es im folgenden um dessen Nutzung im Rahmen theoretisch-rezeptiver Lernprozesse.

Eine – auch im Rahmen anderer Fächer genutzte – diesbezügliche Einsatzmöglichkeit besteht in Form von Internet-Recherchen, bei denen sich Unmengen an kunstbezogenen Texten sowie Bildern finden lassen. Um sich im Datendschungel nicht zu verlieren, ist die Einübung von Suchstrategien oder die Vorgabe sinnvoller Suchadressen[8]Vgl. exemplarisch https://janaszek.de/kunstrecherche/ hilfreich und orientierungsfördernd. Zusätzlich bieten seit einiger Zeit bestimmte Suchmaschinen die Möglichkeit einer expliziten Bildersuche[9]So z.B. Lycos [http://www.lycos.de/search/options.html] oder Google [http://images.google.com/] . Das Internet ist jedoch nicht nur der Ort, an dem Informationen (unterschiedlichster Güte) abgerufen werden können, sondern auch der, an dem selbst Kunst gemacht wird. Die neue Gattung der sogenannten Netzkunst[10]Anschauliche Beispiele für diese neue Kunstgattung sind etwa über eine Linkliste der Universität Saarbrücken [http://www.phil.uni-sb.de/fr/kunsterziehung/nmwebguide.htm] auffindbar. vollzieht sich hier und eben nur hier. Unter dem Stichwort Internet ist schließlich noch eine mögliche Verdichtung unterrichtlicher Prozesse zu nennen: Während es früher in Phasen der Rezeption von Malerei nur bedingt bildbezogene Hausaufgaben gab, da das zu bearbeitende Kunstwerk nicht zur häuslichen Bearbeitung zugänglich gemacht werden konnte (Farbkopien waren / sind teuer und qualitativ nicht berauschend), kann heute aufgrund der Verbreitung des Internets kurzerhand ein entsprechendes Werk temporär ins Internet gestellt werden, und schon ist – zum Leidwesen der Schüler – zur Vorbereitung der nächsten Stunde die Anfertigung einer Farbanalyse möglich. In diesem Kontext wäre noch anzumerken, dass der Computer auch als Hilfsmittel zur Erstellung von Bildanalysen benutzt werden kann, indem mit Hilfe eines Bildbearbeitungsprogramms formal-ästhetische Sachverhalte etwa in Form von Kompositionsskizzen, Farb-Auszügen usw. visualisiert werden können.

An dieser Stelle zeigt sich auch, wie brüchig die traditionelle Unterscheidung von Produktion und Rezeption, die auch diesem Artikel zugrunde liegt, eigentlich ist: Wie am Beispiel der eben genannten praktischen, nonverbalen Auseinandersetzung mit einem Kunstwerk deutlich wurde, überschneiden sich beide Bereiche in der Unterrichtspraxis vielfältig. Auch, um ein anderes Beispiel zu nennen, ist der Einsatz von verfremdenden Effekten im Rahmen von Bildbearbeitungsprogrammen nicht sinnvoll ohne Reflektion des Originals und dessen ästhetischer Struktur möglich.

Drei weitere Nutzungsmöglichkeiten des Computers seien noch kurz genannt: Die theoretisch durchaus mögliche Arbeit mit CD-ROMs scheitert momentan großteils daran, dass die Schulbuch-Verlage dieses Medium – zumindest im Kunstbereich – noch kaum entdeckt haben. Hier stecken aufgrund der Interaktionsmöglichkeiten noch ungeahnte Potentiale, die vor allem ein spielerisches, „spaß-machendes“ Lernen ermöglichen könnten. Bislang beschränkt sich das Angebot noch weitgehend auf den Bereich der Dokumentation von Kunst.[11]Positiv ist in diesem Kontext bspw. die CD-ROM-Sammlung „5555 Meisterwerke“ zu nennen, die vielfältige Zugriffe auf Gemälde verschiedenster Epochen ermöglicht (Directmedia-Verlag).

Eine weitere zukunftsträchtige Anwendungsmöglichkeit des Computers ist dessen Fähigkeit, Hypertext darstellen zu können. Unter Hypertext versteht man – vereinfacht formuliert – die Fähigkeit, Text- oder Bildstellen eines elektronisch erstellten Dokuments mit anderen Dokumenten verknüpfen zu können (wie man es bspw. von den sog. Links im Internet kennt). Geht man von der Annahme aus, dass in Zukunft Schulabschlüsse und die im Rahmen der Institution Schule erworbenen Fähigkeiten und Fertigkeiten immer stärker entwertet werden durch neue, bis dahin unbekannte Fähigkeiten und Fertigkeiten, die es sich im Sinne eines Erhalts der Arbeitskraft (zumeist eigenständig) anzueignen gilt, so ist absehbar, dass entsprechende Strategien zur individuellen Wissensaneignung notwendig sind, und hierfür scheinen Hypertexte ein sehr geeignetes Anwendungsgebiet zu sein. Die einfachste Variante besteht darin, thematisch verwandte Aspekte eines Themas so miteinander zu verknüpfen, dass mittels Hyperlinks eine gewissermaßen textimmanente Struktur zur Verfügung steht, die Verständnisschwierigkeiten zu begegnen hilft oder aber auch Vertiefungen von bereits Verstandenem erlaubt. Um der Gefahr eines Sich-Verzettelns oder besser: Verklickens zu entgehen, wären – als komplexere Variante – vorgegebene Lernstrukturen denkbar, die als Angebot zu einer systematischen Durchdringung zu verstehen wären, gleichzeitig jedoch – qua Hyperlink – die Möglichkeit individueller Lernstrategien bewahren. Hypertexte eignen sich also primär für das Selbststudium und können im Unterricht in Phasen eingesetzt werden, in denen es um die kompakte Aneignung von Wissen geht. Was diesen Einsatzbereich, der zugleich einen wichtigen Beitrag zur Binnendifferenzierung heterogener Lerngruppe leisten könnte, anbelangt, sind leider für das Fach Kunst nutzbare Anwendungen kaum existent.[12]Angesichts dieser Situation habe ich versucht, für verschiedene Aspekte meines Unterrichts selbst Hypertexte in den beiden genannten Varianten zu konzipieren, wobei das Glossar zur Garten- und Landschaftsarchitektur [https://gartenaesthetik.de/gartenaesthetik-glossar/] eher einen lexikalischen Charakter besitzt, der Typograph [https://typo-info.de] hingegen auch ein strukturierteres, aufbauendes Lernen ermöglicht.
Ich hoffe, dass ich durch vorstehende Ausführungen auch dem Nichtfachmann habe deutlich machen können, dass der Computer durchaus im Kunstunterricht als ein (!) sinnvolles Medium eingesetzt werden kann. Da das Jahrbuch (noch?) in einer Printversion publiziert wird und kein Geld für Farbdruck vorhanden ist, musste bedauerlicherweise darauf verzichtet werden, die verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten anschaulich durch eine entsprechende Bebilderung zu verdeutlichen. Einen Eindruck von dem, was bislang an unserer Schule diesbezüglich versucht wurde, ermöglicht aber ein Blick auf die Kunstausstellungsseiten unserer schulischen Website. Hier wird man jedoch beileibe nicht Beispiele für alle vorgestellten Möglichkeiten finden, denn ein Versuch, all das Vorgestellte durchzuführen, würde auf Grenzen stoßen, um die es im letzten Abschnitt dieses Textes gehen soll.

Eine solche Grenze wird schon durch die zur Verfügung stehende Unterrichtszeit markiert. Zwar liefert der Computer relativ schnell Ergebnisse, doch auch hier ist Einarbeitungszeit erforderlich. Wollte man alle vorgestellten Möglichkeiten nutzen, so würde sich angesichts des begrenzten Kunststundenbudgets der Kunstunterricht ausschließlich im Computerraum vollziehen müssen, was viel zu eindimensional wäre und der Prämisse widerspräche, die den Computer als ein (!) Medium anzuerkennen bereit ist. Insofern besteht immer die Notwendigkeit einer Entscheidung darüber, ob angesichts der konkreten Lerngruppe im Rahmen des zur Bearbeitung anstehenden Themas vom Computer im Rahmen einer Teileinheit Gebrauch gemacht werden soll. Diese relative Offenheit wird nun jedoch im Alltag durch vielfältige Aspekte weiterhin eingegrenzt, so dass die vorstehende suggerierte didaktische Entscheidungsfreiheit oftmals einem Sicharrangieren mit Sachzwängen zum Opfer fällt. Diese Sachzwänge werden nun ihrerseits zumeist durch das (fehlende) liebe Geld geschaffen. All die oben skizzierten Einsatzmöglichkeiten des Computers setzen natürlich Computer und entsprechende Peripheriegeräte wie Drucker, Scanner etc. voraus, und zwar auf einem nicht unbedingt brandaktuellen, wohl aber zeitgemäßen Entwicklungsstand. Veraltetes Gerät erzeugt beim Arbeiten Frust, weil vieles nicht klappt, etwa die gerade entworfene Graphik nicht mehr abgespeichert werden kann oder gar der Rechner abstürzt. Über Erneuerungsintervalle kann man streiten, doch die im privaten Home-Bereich mittlerweile übliche Lebensdauer von zwei bis drei Jahren sollte auch schulischerseits nicht überschritten werden, will man nicht Technikgeschichte unterrichten, sondern die Schüler auf die Arbeitswelt von heute vorbereiten. Spezielle Ansprüche sind hier noch gar nicht formuliert: Für das Fach Kunst wünschenswert wäre etwa die Anschaffung spezieller Appel-Rechner mit Macintosh-Betriebssystem, die im Vergleich zu windowsbasierten Rechnern deutlich graphikfreundlicher sind, doch solche draußen in jedem Graphikdesignbüro präsente Hardware ist schulischerseits ein Spezialwunsch, den man angesichts der Mittelknappheit gar nicht erst zu formulieren braucht. Mit dem in Aussicht gestellten zweiten Computerraum an unserer Schule werden zwar neue Rechner angeschafft werden und das Problem des Zugangs zum Computerraum (Kurs x darf nicht parallel zu Kurs y auf einer Stundenplanleiste liegen, da in beiden Kursen häufig auf den Computerraum zugegriffen wird; andere Kurse haben zu diesen Zeiten ohnehin nur eine geringe Chance, am Computer arbeiten zu können) wird deutlich gemildert werden, doch entscheidend scheint mir, dass größere Beträge nicht nur einmalig aufgewandt werden, sondern kontinuierlich. Es geht wohlbemerkt nicht darum, jedem kurzlebigen Trend hinterherzulaufen, und man mag es beklagen, dass die Phasen technologischer Innovation immer kürzer werden, aber wenn Schule auf das Leben vorbereiten soll, muss sie sich auch an der Realität orientieren und kann durch spärliche Mittelzuwendung nicht von dieser abgekoppelt werden.

Geldprobleme zeigen sich im übrigen nicht nur bei der Anschaffung von Hardware, sondern auch – in doppelter Weise – bei deren Nutzung: So müssten beispielsweise genügend Geldmittel zur Verfügung stehen, um die an den Schulen bestehenden Computerausrüstungen bzw. Netzwerkstrukturen zu pflegen. Anstatt nun – wie dies jedes Unternehmen machen würde, das an einer effizienten Nutzung seiner Infrastruktur interessiert ist – entweder entsprechendes Wartungs- und Betreuungspersonal einzustellen oder aber die erforderlichen Arbeiten an externe Fremdfirmen zu vergeben, obliegt diese Aufgabe in der Regel einem EDV-Verantwortlichen, der für seine Tätigkeit mit ein paar Entlastungsstunden abgefunden wird und trotz eines die Grenze zur Selbstausbeutung schon längs überschrittenen Arbeitselans aufgrund der strukturellen Bedingungen mit der Arbeit nicht nachkommen kann.

Zur Nutzung vorhandener Hardware ist schließlich eine geeignete Software von Nöten. Auch hier braucht man nicht alles (und ich persönlich kann eigentlich auch gar nicht klagen), doch mehr ist natürlich besser und mitunter kommt es durchaus zu Motivationsproblemen, wenn ein Schüler zuhause die Programmversion 10 besitzt, in der Schule aber nur die Programmversion 4 verfügbar ist und dieser Schüler nun in der Schule mit eben dieser Version 4 arbeiten soll. Einzelfälle? Sicherlich, doch insgesamt beobachte ich, dass die anfängliche Freude der Schüler bzgl. der Arbeit am Computer einem zunehmenden Motivationsverlust weicht, der primär durch veraltete Hard- und Software bzw. Nichtfunktionieren des einen oder anderen begründet ist, wobei hier durch entsprechende Mittelzuwendungen gegengesteuert werden könnte.

Die Liste dessen, was zur sinnvollen Nutzung des Mediums Computer fehlt, ist damit noch längst nicht abgeschlossen: nur stichwortartig sei verwiesen auf die mangelnde Qualifizierung der Lehrkräfte durch kaum existente Lehrerfortbildungsmaßnahmen (wer mit dem Computer arbeitet, hat sich die dafür erforderlichen Kenntnisse meist selbst beigebracht), eine fehlende curriculare Einbindung (weder in den Rahmenrichtlinien des Faches Kunst für die Sekundarstufe I noch in denen für die Sekundarstufe II wird der Begriff Computer überhaupt nur benutzt) usw. usf.

Insgesamt lässt sich somit als Resumée formulieren, dass in didaktisch begründbaren Situationen die Nutzung des Computers im Kunstunterricht durchaus nicht nur legitim, sondern gewinnbringend sein kann, dass aber diese Nutzung auch äußerer, nicht nur finanzieller Rahmenbedingungen bedarf, die zur Zeit trotz allgemeiner Computer-Euphorie nur sehr eingeschränkt gegeben sind.