Architektur

Digitale Architekturkonstruktion

digitale Architekturkonstruktion

 

Neben die klassische analoge Architekturdarstellung ist die digitale Architekturkonstruktion getreten. Als Alternative und / oder Ergänzung zur zeichnerischen Darstellung von Architektur (oder dem Kleben von dreidimensionalen Modellen) eignet sich im Bereich der 3-D-Anwendungen Software, die zur architektonischen Konstruktion von Gebäuden und deren Möblierung mit vorgefertigten Objekten genutzt werden kann. Die Programme verfügen über einen (zweidimensionalen) Entwurfsmodus, in dem das zu entwerfende Gebäude konstruiert wird, sowie einen Betrachtungsmodus, der den Entwurf relativ realistisch als dreidimensionales Objekt zeigt, wobei die jeweilige Außen- oder Innenansicht individuell vom Benutzer frei definiert werden kann.

Für die Schule geeignet ist Software des Home-User-Marktsegments. Diese ist relativ preiswert und besitzt im Gegensatz zu Profi-Programmen eine beschränkte (aber für den schulischen Gebrauch durchaus ausreichende) Anzahl von Programmmöglichkeiten, so dass lange Einarbeitungszeiten entfallen.

Der Traumhausdesigner (Vers. 3.15) von DataBecker ist eine Software, die vorstehend genannten Anforderungen genügt. Obwohl die Programmfeatures bei einem Produkt des Comsumer-Bereichs natürlich beschränkt sind, empfiehlt sich für Anfänger (und gerade solche der Sekundarstufe I) neben der Nutzung der Tutorials zunächst eine einfache Gestaltungsaufgabe, um mit dem Programm und dessen Möglichkeiten vertraut zu werden.

Eine solche einführende Gestaltungsaufgabe und die zu ihrer Bewältigung nötigen Schritte werden nachstehend am Beispiel der zuvor „mit der Hand“ erstellten parallelperspektivischen Architekturdarstellungen beschrieben, wobei die dort bereits genannten Grundrissmaße und Wandstärken übernommen werden sollen.

 

Anleitung

 

Konstruktionsmodus einschalten
Menü Anzeige -> Modus -> Konstruktion

Neu-Dialog
Menü Datei -> Neu
Maßeinheit: Meter
voraussichtliche Hausgröße: 11 m Breite (= horizontal), 9 m Länge (= vertikal)
Papierformat: beliebiges Format mit Breite 23 und Höhe 18 cm
Maßstab: 1:50

Fangen
Fangen (Optionen -> Konstruktionsmodus -> Fangen …) sollte aktiviert sein; dies ist z.B. zum Wändeeinziehen die günstigste Methode. Sollen Objekte genau positioniert werden (z.B. Schornstein), sollte man das Fangen temporär ausschalten.

Nordung
An rechten Rand der Arbeitsfläche verschieben (Button „Element auswählen“ aktivieren, Nordung anklicken und bei gedrückter Maustaste verschieben)

Rasterursprung setzen
Durch Verschieben der Nordung ist das Symbol für den Koordinatenursprung zum Vorschein gekommen. Dieser Koordinatenursprung ist der Nullpunkt, von dem aus alle Maße berechnet werden. Um die Rasterfunktion und v.a. das Fangen nutzen zu können, ist es sinnvoll, den Rasterursprung und den Koordinatenursprung zur Deckung zu bringen, so dass eine vertikale und eine horizontale Rasterlinie direkt den Koordinatenursprung schneidet.
Zunächst Fangen temporär ausschalten. Den Bereich um den derzeitigen Koordinatenursprung stark vergrößern (Lupe anklicken und dann über diesem ein Rechteck aufziehen). Dann auf Button „Ursprung setzen“ klicken und mit gedrückter Maustaste auf das Raster-Symbol fahren; hierdurch wird der ursprüngliche Button „Ursprung setzen“ gegen den Button „Rasterursprung setzen“ ausgewechselt. Durch ein abschließendes Klicken auf den Koordinatenursprung auf der Arbeitfläche wird nun das Raster auf diesen Punkt bezogen.

Hilfsgeraden
Hilfsgeraden (Button „Hilfsgeraden einziehen“) zur Begrenzung der Außenkanten des Hauses ziehen (normale Hilfsgeraden, d.h. linker Button). Die erste Ausgangslinie möglichst durch den Koordinatenursprung ziehen, die Entfernung zum Setzen der zweiten, parallelen Linie wird dann unten in der Statuszeile angegeben.
Wenn sich die Hilfslinie nicht auf einen „krummen“ Wert setzen lässt, temporär das Fangen ausschalten.
Achtung: Da das Programm Wände mittig auf Hilfslinien placiert, sind diese Hilfslinien so zu bestimmen, dass die Hälfte der Mauerstärke von der gewünschten Strecke abgezogen wird (aufgrund der mittigen Anordnung würde sonst die äußere Seite um die Hälfte einer Mauerstärke vergrößert).
Beispiel: Sollen die Außenmaße des Hauses bspw. 9,88 m x 7,88 m bei einer Außenmauerstärke von 38 cm betragen, so müssen die Werte der Hilfslinien 9,50 (= 9,88 – 0,19 – 0,19) x 7,50 (= 7,88 – 0,19 – 0,19) m betragen.
Die Arbeitsfläche sollte danach ungefähr so aussehen:

hilfslinien

Außenwände konstruieren
Button „Wände einziehen“ -> mehrere Wände einziehen: Konstruktion im Ursprung beginnen (jede Wand mit Linksklick abschließen und Beenden durch Esc)
Wandstärken auf 0,38 m verändern. Dazu die erste Außenwand mit dem Werkzeug „Element auswählen“ außen oder innen anklicken, dann im Menü „Bearbeiten“ „Wand bearbeiten“ auswählen und neuen Wert eingeben. Dies für die restlichen drei Außenwände wiederholen.
Nach dem Einzeichnen Wandstärken kontrollieren.
Tipp: Zum Kontrollieren von Wandmaßen eignet sich folgende Methode am besten: Erneut „Wände einziehen“ auswählen und mit Cursor auf die entsprechende Wandkante gehen – das Maß kann dann in der Statuszeile abgelesen werden.
Der noch mitten in der Wand befindliche Koordinatenursprung und (!) der Rasterursprung sollten nun an die äußere süd-westliche Außenkante des Hauses verschoben werden. Dazu zunächst Fangen temporär ausschalten. Dann südwestliche Hauskante stark vergrößern. Dann auf Button „Ursprung setzen“ klicken und anschließend auf die südwestliche Außenecke des Hauses klicken. Nachdem der Koordinatenursprung gesetzt ist, soll nun noch der Rasterursprung mit diesem zur Deckung gebracht werden. Noch einmal Maße kontrollieren
Die Arbeitsfläche sollte danach ungefähr so aussehen:

außenwände

Innenwände konstruieren
Button „Wände einziehen“ -> parallele Wand einziehen
Beispiel für horizontale Wand in West-Ost-Richtung (nördliche Raumtiefe 3, südliche Raumtiefe 4 m bei 0,12 m Wandstärke):
Von der südlichen Außenwand ausgehen
Da auch hier eine mittige Placierung der Wände vorgenommen wird, ist folgendermaßen zu rechnen: 4 m Raumtiefe + 0,19 (Differenz Rasterursprung / Innenseite der südlichen Außenwand + 0,06 m (Hälfte der zu konstruierenden Innenwand) = 4,25 m, d.h. der neuen Wand müsste der Wert 4,25 m zugewiesen werden.
Wandstärken auf 0,12 m verändern
Nach dem Einzeichnen Maße kontrollieren
Gemäß vorstehendem Beispiel die anderen Innenwände einzeichnen
Die Arbeitsfläche sollte danach ungefähr so aussehen:

innenwände

Schornstein einsetzen
Mittels Button „Schornsteine einbauen“. Genaue Positionierung durch ausgeschaltetes Fangen.
Die Arbeitsfläche sollte danach ungefähr so aussehen:

schornstein

Türen einsetzen
Es sollen drei verschiedene Türbreiten benutzt werden (Haus- bzw. Terrassentür, normale Wohnraumtüren, Türen zu kleinen Funktionsräumen).
Die Haustür sollte aus Gründen der Belichtung zumindest teilweise gläsern sein.
Es können die Standardmaße der jeweiligen vom Programm angebotenen Türtypen benutzt werden (es müssen also nicht die Türmaße des vorliegenden Grundrisses ausgemessen und auf die programmseitig angebotenen Türtypen angewandt werden).
Die konkreten Einsatzpunkte der Türen innerhalb der Wände können „Pi mal Daumen“ bestimmt werden, müssen also nicht ganz genau mit dem vorliegenden Grundriss übereinstimmen. Zu starke Abweichungen mit entsprechendem Wie-Button korrigieren.
Die Arbeitsfläche sollte danach ungefähr so aussehen:

türen

Fenster einsetzen
Die Fenster sollten normale Brüstungshöhen haben; auch hier können Standardwerte übernommen werden. Einzig das Terrassenfenster sollte eine deutlich niedrigere Brüstungshöhe aufweisen.
Auch die konkreten horizontalen Einsatzpunkte der Fenster innerhalb der Wände bzw. die Fenstermaße können „Pi mal Daumen“ bestimmt werden, müssen also nicht ganz genau mit dem vorliegenden Grundriss übereinstimmen. Zu starke Abweichungen der Einsatzpunkte mit entsprechendem Wie-Button korrigieren.
Tipp: Die Fenstermaße am besten vor dem Einsetzen bestimmen, da die Fenster im Grundriss schwer zu markieren sind.
Die Arbeitsfläche sollte danach ungefähr so aussehen:

fenster

Innendekor
Alle Innenwände sollen mit weißer Rauhfaser beklebt werden. Dazu muss die Innenwand zunächst markiert werden, dann im Menü „Bearbeiten“ auf „Wand bearbeiten“ klicken und unter „Oberfläche: Textur“ die weiße Rauhfaser auswählen. Dies für die restlichen drei Innenwände und für jeden Raum wiederholen. Bzgl. der Materialien und Farben für Fußböden sowie (im Rahmen obiger Vorgaben) für Türen und Fenster besteht Gestaltungsfreiheit.

AnsichtWechselt man nun in den Einrichtungsmodus (Anzeige -> Modus -> Einrichtung) und wählt dann die perspektivische Ansicht (Anzeige -> Ansicht -> Perspektive), könnte das fertige Haus am Schluss ungefähr so aussehen:

digital

Neben anderen Anzeigemodi lassen sich Objekte auch in farbiger Aufsicht inkl. Möblierung sowie als Drahtmodell ausgeben.
Mit dem Programm sind zwar Objekte nicht in den klassischen parallelperspektivischen Projektionsarten darstellbar, doch die vielfältigen Möglichkeiten, das Gebäude von außen zu betrachten (wobei die obere Abbildung nur eine Ansicht (Screenshot) von einem unter vielen möglichen Betrachterstandorten zeigt) und innen zu durchgehen, bieten bei ausreichender Darstellungsqualität relativ naturalistische Raumeindrücke.

 


 

Zwei weitere Beispiele für mittels Architektur-Software zu lösende Aufgabenstellungen:

 

EFH

Entwurf eines Einfamilienhauses im Grünen
(Schülerarbeit)

Umgestaltung eines entkernten historischen Gebäudes zum Studentenwohnheim mit Planung eines Studentenappartments
(Schülerarbeit)